Professional Asset Manager Stefan Krewinkel
FMM Finanzblick

|

Stefan Krewinkel

|

3. Juli 2023 - 06:41

Halbjahresultimo … und jetzt?

FMM Finanzblick eine Kolumne von Stefan Krewinkel

Primärmarkt Pfui (Turnaround durch Nucera und Schott Pharma erhofft), Sekundärmarkt Hui. Da kippt die Stimmung langsam wieder, was tatsächlich kein schlechtes Zeichen sein muss. Allerdings sind die Gründe diesmal nicht mehr nur von Zinssorgen und -hoffnungen getrieben. Die Daten aus der Wirtschaft sind schlecht und sprechen für eine Rezession. Der GfK-Konsumentenindex und der IFO-Index waren schwach. Diesen aufzupiddeln wäre Kleingeld. Handel, Bau, verarbeitendes Gewerbe, Dienstleistung; alles ging deutlich runter. Ferner kam von DSM Firmenich ein weiteres Profit Warning einer Firma, die weit vorne in der Prozesskette steht und aus dem Immobiliensektor melden Hamborner und Adler negativ.

Was immer mehr auffällt, nach Profit Warnings oder anderer schlechter Firmenmeldungen, gerade aus der DAX-Familie, wird der Einzelwert jeweils abverkauft, aber der Index wird nicht (mehr wie früher) angesteckt. Das erlöste Geld der Verkäufe wird vielmehr in ein Indexvehikel gesteckt, so dass der Portfoliomanager weiter investiert ist, nur jetzt mit weniger Alpha-Risiko. Das passt zum Trend der letzten Wochen, wo vermehrt Indexbaskets zur Eröffnung mal zu ge- oder verkauft wurden. In der Tendenz folgen wir damit den USA, wo die Indizes mit ihren Schwergewichten über ETFs und Optionen bewegt werden. Die großkapitalisierten Werte sind die Zugnummer. Wird diskutiert, aber nicht ‚bekämpft‘. à Solange Privatpools oder das Wässern von Golfplätzen nicht verboten ist, ist die Lage nicht schlimm.

Die US-Märkte geben hingegen weiterhin die grobe Richtung vor, die Marktteilnehmer haben weitere zwei Zinserhöhungen zur Kenntnis genommen, da die Wirtschaft dort nicht abkühlt. Der Arbeitsmarkt ist und bleibt stabil bis stark. Als Begründung wird der Zusatzbedarf an Arbeitskräften wegen der neuen Investitionen aufgrund des IRA genannt und die ‚Great Resignation‘, auch ‚Big Quit‘, genannt. Ältere Arbeitnehmer haben keinen Bock mehr, sie haben genug gearbeitet und nutzen dies als ihren Teil der Verbesserung ihrer work-life-balance, machen also nicht nur junge Leut. Der VIX (Volatilitätsindex) verharrt auch auf einem tiefen Niveau, die Anleger honorieren immer mehr ein entstehendes Goldi-Lock-Szenario mit absehbarem Ende der Inflation wegen der konsequenten FED-Zinspolitik, die (bislang) nicht zu einer Rezession geführt hat. Der Konsum läuft, allerdings müssen Studenten ab September wieder die wegen Corona gestundeten Kredite für ihr Studium bedienen. In Europa ist die Inflation noch nicht so weit zurückgekommen, das mag bissiger werden. Frau Meloni hat schon darauf hingewiesen, dass die hohen Zinsen schmerzen. Mal sehen, wann Herr Macron sich dementsprechend äußert. Dann dürfte die EZB kurz vor oben sein.

Ohne ‚Schwarzen Schwan‘ ist ein weiteres Anziehen der US-Märkte somit gut möglich, obwohl es durch eine Korrektur im KI-Bereich holprig werden kann. Da ist zu viel Euphorie drin. Und wenn die globalen Portfoliomanager Deutschland oder Europa nicht auf ‚Untergewichten‘ stufen, bleiben wir im Schlepptau. Ansonsten fliegen die ETFs und Baskets wieder raus. Gründe dafür gibt es immer mehr (s.o. und folgend), Entscheidungen darüber werden allerdings nicht hier getroffen.

Nach der Nationalmannschaft macht die U21 weiter, den Zustand Deutschlands zu beschreiben. Creditreform meldet einen starken Anstieg an Unternehmensinsolvenzen und gemäß einer Studie des DIW beliefen sich ausländische Investitionen in Deutschland auf 11 Mrd. USD, deutsche Investitionen ins Ausland hingegen auf 142 Mrd. USD im Jahr 2022; puh. Als Gründe für die Kapitalflucht werden, wie gehabt, hohe Steuern, hohe Energiepreise, fehlende Fachkräfte und hohe bürokratische Hürden genannt. Als Gegenstück wird der IRA genannt. Aber die Kohle geht ja nicht nur in die USA, eigentlich ist es egal wohin, sie geht weg (in Sicherheit?). Tatsächlich wird die neue grüne Bürokratie, zusätzlich zu den hinlänglich bekannten, genannt. Deshalb werden wir schon wieder „der kranke Mann Europas“ genannt, aber diesmal „der mit großer Klappe“. Berlin scheint es egal zu sein (oder ist es gar gewollt?), da bislang keine Kurskorrektur erkennbar ist.

Während Shell und Norwegen wieder massiv in die Förderung von Öl und Gas investieren, wird Siemens Energy weiter restrukturieren und VW in Emden Mitarbeiter entlassen müssen, da die Nachfrage nach E-Autos um 30% niedriger ausfiel als prognostiziert. Das riecht nach einem weiteren Zuschussprogramm, da der Staatskonzern alternativlos darauf gesetzt hat (setzen musste?). Weitere Zuschüsse werden auch für das nicht wirklich beliebte Heizungsgesetz vorgesehen. Mag Herr Lindner nicht (obwohl er das Gesetz ermöglicht hat) und inflationshemmend ist das alles auf jeden Fall nicht. Zumal die Rentenkasse in 2022 mit 86 Mrd. Euro (puh) unterstützt werden musste, da ist alleine aus demographischen Gründen keine Trendumkehr absehbar. Irgendwann kommt die Frage hoch, ob das Ding noch sicher ist. Gefolgt vom Vorschlag, Rentenzahlungen nicht mehr ins Ausland zu überweisen.

Der hitzige Streit um die Schuld am Aufstieg der AfD sorgt für Panik links der Brandmauer und in Thüringen wird wieder mal versucht eine Wahl rückgängig zu machen. Neben den etablierten Parteien verlieren auch die Kirchen an Zuspruch. Beide zusammen haben in 2022 rund 900.000 Mitglieder verloren (>500k katholische und > 380k evangelische) und landen bei nunmehr noch ca. 40 Millionen kumuliert. Fehlende Umsetzung der Reformversprechen (kütt seit Jahren nix) bzw. Vergangenheitsbewältigung, aktivistische Politik und die belastende Kirchensteuer in Zeiten der Inflation werden als Gründe genannt. Der Michel bewegt sich.

Payment for orderflow dürfte bald verboten werden und die EZB arbeitet mit der Implementierung des digitalen Euros an der Lösung eines Problems, das nicht existiert, aber vielen wehtun wird. Skeptiker sprechen vom ersten Schritt zur Überwachung.

Währenddessen setzt die Schweiz ein Konzept bilateraler Abkommen zur CO2-Reduktion um, bei der sie mithilfe einer Stiftung CO2-reduzierende Projekte wie eine Elektrobusflotte in Bangkok finanziert. Im Rahmen von Internationally Transferred Migitation Outcomes rechnet sich die Schweiz (nicht Thailand) diese eingesparten CO2-Mengen zur Erfüllung ihrer Klimaverpflichtung an. Weitere Gespräche diesbezüglich finden gegenwärtig mit Ghana, Marokko und dem Senegal statt. Kritiker sprechen bereits vom Kolonialismus des 21. Jahrhunderts.

Wealth Management mit FollowMyMoney

wichtige Termine

Montag
  • 01:50 JP Tankan
  • 03:45 Caixin PMI
  • 10:00 EA Manufacturing Index
  • 16:00 US ISM Index
Dienstag
  • 08:00 D Handelsbilanz; US Feiertag
Mittwoch
  • 03:45 Caixin Service PMI
  • 16:00 US Factory Orders
  • 20:00 FOMC Minutes
Donnerstag
  • 11:00 EA Retail Sales
  • 14:30 US Initial Jobless Claims
  • 16:00 ISM Services PMI; JOLTS
Freitag
  • 08:00 D Industrieproduktion; US Unemployment Rate; Average Hourly Earnings
Zurück

Weitere News

  • 17. Mai 2024

    Martin Utschneider Daily DAX
    Martin Utschneiders vorbörsliches DAX Update 17.05.2024: Konsolidierung im Aufwärtstrend
  • 16. Mai 2024

    Robert Halver mit Halvers-Woche - FollowMyMoney
    Was ist eigentlich mit und in China los?
  • 16. Mai 2024

    Martin Utschneider Daily DAX
    Martin Utschneiders vorbörsliches DAX Update 16.05.2024: Blick auf 19.000 und höher?
  • 16. Mai 2024

    Finanzwoche Dr. Jens Erhardt bei FollowMyMoney
    Finanzwoche vom 16.05.2024
  • 15. Mai 2024

    Martin Utschneider Daily DAX
    Martin Utschneiders vorbörsliches DAX Update 15.05.2024: Konsolidierung im Aufwärtsmodus

Mit einem Depot bei FollowMyMoney können Sie Ihr Geld breit gestreut in die Werte Ihrer Wahl anlegen und am Wachstum der Märkte teilhaben. Egal, ob Sie über einen ETF einen Index oder eine Branche abbilden, gezielt Einzelaktien von Erfolgsunternehmen kaufen oder in den neuen, zuletzt stark expandierenden Kryptomarkt investieren.

Bauen Sie Ihr Vermögen strategisch auf. Entsprechend Ihrer persönlichen Anlageziele und mit den Kombinationsmöglichkeiten unserer Angebote auf FollowMyMoney.

Wealth Management mit FollowMyMoney Dashboard-Screen

Disclaimer

Diese Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken. Es handelt sich nicht um Empfehlungen oder eine Aufforderung zum Kauf von Finanzprodukten. Diese Inhalte stellen ausschließlich die Meinung des Autors dar. Sie ersetzen keine auf die persönliche und finanzielle Situation zugeschnittene Beratung.

Investoren sind angehalten, vor einem Investment selbstständig zu recherchieren und sich fachkundigen Rat einzuholen.

Aus vergangenen Wertentwicklungen können keine verlässlichen Aussagen über zukünftige Wertentwicklung gemacht werden. Alle Daten und Informationen, die verwendet wurden, hat der Autor aus eigener, subjektiver Betrachtung als angemessen erachtet. Sie wurden jedoch keiner neutralen Prüfung unterzogen, und es wird keine Haftung und keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernommen. Die Anlage in Finanzinstrumente ist risikobelastet und kann zum Teil- oder Totalverlustes des eingesetzten Kapitals führen.

Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise auf https://followmymoney.de/risikohinweise sowie Informationen zu Anlageempfehlungen unter https://followmymoney.de/informationen-zu-anlageempfehlungen/.