Robert Halvers - Portrait
HALVERS WOCHE

Robert Halver

10. Februar 2026

Too big in Japan?

Robert Halver mit Halvers-Woche - FollowMyMoney
  • Mit der gewonnenen Super-Mehrheit im Parlament kann die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi durchregieren. So lassen sich auch radikale Wirtschaftsreformen in einem immer noch überregulierten Land und massive Konjunkturmaßnahmen durchführen. Diese sind allerdings nur mit einer noch dramatischeren Neuverschuldung möglich. Licht und Schatten liegen hier also nah beieinander. Wie viel Helligkeit ist zukünftig am japanischen Aktienmarkt zu erwarten?

  • „Sanaenomics“ oder Klotzen, nicht kleckern

    Mit dem Erdrutschsieg können Frau Takaichi und ihre Liberaldemokratische Partei das Wahl- zum Regierungsprogramm machen.

    Anleger gehen davon aus, dass sich die schon unter Ministerpräsident Shinzō Abe betriebene Reformpolitik konsequent fortsetzt. Über Deregulierung soll die Effizienz und Produktivität von Unternehmen weiter gesteigert werden.

    Zusätzlich verspricht die neue Regierung hohe staatliche Investitionen in 17 strategische Schlüsselindustrien, darunter Technologie, Rohstoffversorgung, Verteidigung und Konsum. Japans im internationalen Vergleich bislang unbefriedigendes Wachstumspotenzial soll endlich gehoben, Lieferketten gestärkt, aber auch militärisch aufgerüstet werden, um wettbewerbsfähig zu sein und geopolitisch zu gewinnen. Zu diesem Zweck ist ebenso die Schaffung von national champions geplant, die ebenso globales Gewicht auf die Waagschale bringen.

    Mit Blick auf China erlaubt die große Parlamentsmehrheit jetzt sogar sicherheitspolitische Stabilitätsbrüche über Verfassungsänderungen. So könnte die Tokioter Regierung den USA erlauben, in Japan Nuklearwaffen zu stationieren. Gleichfalls könnte sie von Amerika atomgetriebene U-Boote kaufen. Bislang ist es Japan verboten, Atomwaffen zu besitzen oder in irgendeiner Weise zu nutzen.

    Für diese Kampfansage an den amerikanischen Systemrivalen China wird Donald Trump die japanische Ministerpräsidentin lieben, die diesen Umstand sicherlich für sich zu nutzen weiß.

    Insgesamt sind von der neuen tatkräftigen Regierung Unternehmen und Branchen an der Börse begünstigt, die für Rüstung, High-Tech, Industrie 4.0, Rohstoffversorgung und Konsum stehen.

    Dass die Maßnahmen der neuen Regierung ebenso eine Verbesserung des Kapitalmarktgeschäftes wie M&A bewirken, kommt Banken zugute.

    Kein Wunder also, dass der japanische Aktienmarkt seit Antritt von Frau Takaichi vom sogenannten Takaichi-Trade verwöhnt wird und der Nikkei 225 zu immer neuen Höhen aufsteigt.

  • Die Kehrseite der Sanaenomics-Medaille

    So edel die Motive der Tokioter Regierung für Wirtschaft und Aktien sind, sie funktionieren nur durch massive Neuverschuldung der Marke „Viele viele bunte Smarties“.

    Im Gegensatz zu Aktionären zeigt sich der japanische Anleihemarkt tatsächlich weniger entzückt. Die Staatsverschuldung von ca. 230 Prozent zur Wirtschaftsleistung ist bereits die höchste aller Industrieländer, einfach haarsträubend. Droht über eine noch expansivere Haushaltspolitik eine nachhaltige Verschlechterung der japanischen Staatsfinanzen, sogar eine Schuldenkrise?

    Immerhin war schon die bisherige Amtszeit der japanischen Ministerpräsidentin von den höchsten Anleiherenditen seit Jahrzehnten geprägt. Hinzu kommt, dass mehr neue Schulden auch einen inflationstreibenden Effekt haben. Insgesamt machen steigende Verschuldung bei steigenden Zinsen den Schuldendienst zu einer teuflischen Angelegenheit.

    Dieses Problem hat nicht zuletzt eine internationale Dimension. An den Finanzmärkten machten sich zwischenzeitlich bereits Gerüchte breit, japanische Anleger könnten international Anleihen und Aktien verkaufen, um mit dem Erlös staatliche Ausgaben zu finanzieren. Dies wiederum würde den Yen aufwerten und gemeinsam mit hohen Kreditkosten die Yen Carry Trades dramatisch einbrechen lassen.

    Gerade dieses üppig genutzte Instrument der zinsgünstigen Geldaufnahme in Japan mit Währungsgewinn bei Rückzahlung über einen schwachen Yen hat die Anlagewelt über Jahrzehnte glücklich gemacht. Weihnachten und Ostern fielen sozusagen auf einen Tag. Bei einer Gegenbewegung jedoch wäre das ganze Jahr Aschermittwoch und Karfreitag.

  • Finanzwirtschaftlich kann in Japan nicht sein, was nicht sein darf

    Am Verkauf von US-Staatsanleihen durch Japan kann Amerika kein Interesse haben, zumal China bereits sehr abweisend ist. In der Folge höhere Kreditzinsen würden die USA schmerzen. Daher ist zu vermuten, dass Japan mit den USA ein gentlemen‘s agreement geschlossen haben, sozusagen einen finanziellen Nichtangriffspakt. Japan verkauft keine amerikanischen Vermögenswerte und die USA zeigen sich in Handels- und geopolitischen Fragen freundlich, übrigens auch wegen der harten Haltung Tokios gegenüber Peking. Das sind die Deals, die Donald Trump so richtig mag.

    Grundsätzlich hat Japan den Vorteil, dass seine Staatsschulden vor allem bei inländischen institutionellen und privaten Anleger liegen. Vor allem ist da aber noch die japanische Notenbank als Schutzpatronin der heimischen Finanzmärkte. Angesichts der enormen Finanzrisiken des Landes hat sie gar keine andere Wahl, als im Bedarfsfalle zinsdrückend einzugreifen.

    Übrigens hat sie auch kein Interesse, ihr massives Engagement am japanischen Aktienmarkt zurückzufahren. Denn eine schlechte Aktienstimmung signalisiert auch keine gute wirtschaftliche Stimmung.

    Fazit: Wenn sich aber die finanziellen Rahmenbedingungen Japans nicht verschlechtern, weil sie sich nicht verschlechtern dürfen, können Anleger beruhigt auf den japanischen Aktienmarkt und die fundamentalen Argumente einer wirtschaftsfreundlichen Regierung blicken.

    Japan bleibt das Land der aufgehenden Sonne, auch am Aktienmarkt.

    Allerdings ist der schwache Yen für Euro-Anleger mitunter ein Sonnenfleck.

  • Rechtliche Hinweise / Disclaimer und Grundsätze zum Umgang mit Interessenkonflikten der Baader Bank AG: https://www.roberthalver.de/Newsletter-Disclaimer-725

Haftung für Inhalte und Links

Wir haben diese Website mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dabei insbesondere auf die Richtigkeit, Aktualität, Vollständigkeit und Verfügbarkeit geachtet. Dennoch können wir nicht ausschließen, dass alle Inhalte stets fehlerfrei, aktuell und vollständig sind. Insofern ist jegliche Haftung für Schäden, die direkt oder indirekt aus der Benutzung dieser Website und der hierin enthaltenen Informationen entstehen, ausgeschlossen, soweit diese nicht auf ein vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten beruht.

Die auf dieser Website vorhandenen Inhalte von Dritten oder Links zu Websites Dritter ("fremde Inhalte") haben wir nach bestem Wissen und unter Beachtung größtmöglicher Sorgfalt eingebunden. Insbesondere haben wir bei der erstmaligen Einbindung der fremden Inhalte und dem erstmaligen Setzen von Links darauf geachtet, dass keine rechtswidrigen Inhalte vorliegen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die Anbieter die Inhalte im Nachhinein verändert oder weitere Inhalte hinzugefügt haben. Es ist uns nicht möglich, sämtliche fremden Inhalte laufend zu prüfen, und wir können keine Verantwortung für diese fremden Inhalte übernehmen. Wir machen uns die fremden Inhalte ausdrücklich nicht zu eigen. Für Schäden aus der Nutzung oder Nichtnutzung der fremden Inhalte haftet ausschließlich der jeweilige Anbieter der Website, auf die verwiesen wurde, bzw. die Urheber der Inhalte.

Zurück

Weitere News

  • 9. Februar 2026

    Adobe stock
    Teil III – Rückblick 2025: Performance und Risiko in der Übersicht
  • 9. Februar 2026

    Martin Utschneider Daily DAX
    RoboMarkets – Technische Analyse DAX (09.02.2026): Positiver Wochenstart
  • 6. Februar 2026

    Martin Utschneider Daily DAX
    RoboMarkets – Technische Analyse DAX (06.02.2026): Unterstützungen im Fokus
  • 6. Februar 2026

    Professional Asset Manager CHRISTIAN SCHOEPPE
    Christian Schoeppe Monatskommentar und Ausblick Januar/Februar 2026
  • 6. Februar 2026

    Professional Asset Manager Paul Pleus
    Paul Pleus Monatsbericht: Januar 2026

Disclaimer
Diese Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken. Es handelt sich nicht um Empfehlungen oder eine Aufforderung zum Kauf von Finanzprodukten. Diese Inhalte stellen ausschließlich die Meinung des Autors dar. Es handelt sich dabei nicht um eine Beratung irgendeiner Art (weder steuerrechtlich noch hinsichtlich der Allokation Ihrer Finanzen, der Tätigung eines Investments oder ähnlichem). Dieses Informationsangebot kann keine individuelle Beratung ersetzen und ist auch nicht als solche gedacht. Wir übernehmen keine Verantwortung und keine Haftung für Entscheidungen, Handlungen oder Unterlassungen, die der Nutzer aufgrund dieser Website und der darin enthaltenen Informationen trifft.

Investoren sind angehalten, vor einem Investment selbstständig zu recherchieren und sich fachkundigen Rat einzuholen.

Aus vergangenen Wertentwicklungen können keine verlässlichen Aussagen über zukünftige Wertentwicklung gemacht werden. Alle Daten und Informationen, die verwendet wurden, hat der Autor aus eigener, subjektiver Betrachtung als angemessen erachtet. Sie wurden jedoch keiner neutralen Prüfung unterzogen, und es wird keine Haftung und keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernommen. Die Anlage in Finanzinstrumente ist risikobelastet und kann zum Teil- oder Totalverlustes des eingesetzten Kapitals führen.

Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise auf https://followmymoney.de/risikohinweise sowie Informationen zu Anlageempfehlungen unter https://followmymoney.de/informationen-zu-anlageempfehlungen/.