Marko Mähner Geschäftsführer GranValora
GRANVALORA

Marko Mähner

24. Februar 2026

Immobilien – Substanzwert mit Zeitverzug, Hebel und politischer Realität

Wegweiser, Geldanlagen

Bild: hkama auf Adobe stock

© GranValora - Die Experten für Wahre Werte

  • von Marko Mähner

    Immobilien gelten für viele Anleger als Inbegriff von Sicherheit. Preise schwanken weniger sichtbar als an den Kapitalmärkten, Bewertungen verändern sich langsam, laufende Mieteinnahmen vermitteln Stabilität. Genau diese Eigenschaften machen Immobilien in unsicheren Zeiten attraktiv – und zugleich anspruchsvoll.

    Denn Immobilien reagieren nicht sofort.
    Sie reagieren verzögert.

  • Träge Märkte, langsame Anpassung

    Im Gegensatz zu Aktien werden Immobilienpreise nicht täglich neu festgestellt. Kaufentscheidungen dauern, Finanzierungen sind komplex, Transaktionen aufwendig. Preisänderungen zeigen sich häufig erst mit erheblicher Verzögerung.

    Das kann beruhigend wirken.
    Es kann aber auch täuschen.

    Was heute stabil erscheint, kann strukturell bereits unter Druck stehen – durch Zinsen, Regulierung oder veränderte Nachfrage. Immobilien sind daher kein Schutz vor Marktzyklen, sondern eine anders getaktete Form davon.

  • Der Hebel: Renditetreiber, Risiko – und Aufwand

    Ein zentrales Merkmal von Immobilien ist der Einsatz von Fremdkapital. Richtig eingesetzt, kann dieser Hebel die Eigenkapitalrendite deutlich steigern. Ohne Fremdfinanzierung fällt die Rendite von Immobilien hingegen im historischen Vergleich oft eher bescheiden aus – insbesondere im Vergleich zum Aktienmarkt.

    Was Immobilien dennoch interessant macht, ist weniger ihre absolute Rendite als ihre geringe Korrelation zu anderen Anlageklassen. Immobilien entwickeln sich häufig zeitversetzt zu Aktien- und Anleihemärkten und können so stabilisierend im Gesamtvermögen wirken. Sie sind damit weniger Renditetreiber als Diversifikationsbaustein.

    Der Einsatz von Fremdkapital verändert dieses Bild grundlegend. Er erhöht die Renditechancen – macht die Anlage aber zugleich empfindlich gegenüber Zinsniveau, Laufzeiten und Refinanzierungsbedingungen. Planbarkeit entsteht nur dann, wenn Finanzierung, Liquidität und Zeithorizont sauber aufeinander abgestimmt sind.

    Hinzu kommt ein Aspekt, der häufig unterschätzt wird: der Aufwand.
    Immobilien erfordern laufende Entscheidungen, Zeit und Management. Verwaltung, Instandhaltung, Mieterkommunikation und rechtliche Themen gehören zum Investment dazu. Wer diese Aufgaben an externe Verwalter auslagert, reduziert zwar den persönlichen Aufwand – senkt damit aber auch die ohnehin begrenzten laufenden Renditen weiter.

    Immobilienrendite ist daher nie vollständig „passiv“.
    Sie entsteht entweder durch aktives Management – oder sie wird durch Aufwand, Kosten und Fremdkapitalrisiken relativiert.

  • Risiko entsteht nicht im Markt – sondern im Objekt

    Immobilienrisiken sind selten abstrakt. Sie sind konkret:

    • falsche Lage
    • falscher Zustand
    • falsche Nutzung
    • falsche Annahmen über Kosten, Leerstand oder Regulierung

     

    Der Markt verzeiht Fehler bei Immobilien deutlich schlechter als bei liquiden Anlagen. Ein Verkauf ist kein Knopfdruck. Korrekturen dauern – und sie sind teuer.

  • Mietnomaden, Regulierung und politische Eingriffe

    Zu den praktischen Risiken gehören Einzelfälle, die in keiner Modellrechnung sauber abgebildet werden: Mietausfälle, Mietnomaden, langwierige Räumungsverfahren. Solche Situationen sind selten – aber wenn sie eintreten, wirken sie direkt und unverhältnismäßig stark auf Liquidität und Nerven.

    Darüber hinaus sind Immobilien immer auch politische Vermögenswerte. Instrumente wie Mietendeckel, verschärfte Mietregulierung oder nachträgliche Auflagen sind keine theoretischen Konstrukte, sondern reale politische Werkzeuge, die in angespannten Wohnungsmärkten immer wieder diskutiert oder umgesetzt werden.

    Diese Eingriffe folgen selten ökonomischer Logik. Sie entstehen aus gesellschaftlichem Druck – und treffen Immobilien direkter als viele andere Anlageklassen.

  • Historische Erinnerung statt Prognose

    Ein Blick in die Geschichte zeigt zudem: Eigentum war nie vollständig außerhalb gesellschaftlicher Zugriffsmöglichkeiten. Das Lastenausgleichsgesetz aus den 1950er-Jahren ist ein historisches Beispiel dafür, wie Vermögen in außergewöhnlichen Krisenzeiten zur gesellschaftlichen Stabilisierung herangezogen wurde. Dieses Gesetz existiert heute noch und wird laufend angepasst.

    Das bedeutet keine Prognose und keine unmittelbare Gefahr. Es ist eine Erinnerung daran, dass Immobilieneigentum sichtbar, immobil und politisch greifbar ist – eine Dimension, die langfristig mitbedacht werden sollte.

  • Einordnung: Warum Immobilien trotz allem relevant bleiben

    Wohnen lässt sich nicht digitalisieren. Wohnungen werden gebraucht – unabhängig von Konjunkturzyklen, Technologietrends oder Börsenstimmungen. Dieser einfache Umstand verleiht Immobilien eine Relevanz, die viele andere Anlageklassen nicht besitzen.

    Derzeit ist am Immobilienmarkt keine klassische Übertreibung oder Blasenbildung erkennbar. Preise haben sich nach den Rückgängen der vergangenen Jahre deutlich stabilisiert, in vielen Segmenten läuft bereits eine moderate Erholung. Das Umfeld ist weniger von Euphorie geprägt als von vorsichtiger Neubewertung.

    Für Anleger, die den damit verbundenen Aufwand nicht scheuen, Risiken realistisch einschätzen und die Finanzierung sauber aufsetzen, können Immobilien aktuell eine interessante Rolle im Vermögensmix spielen – nicht als Renditewunder, sondern als substanzbasierte Ergänzung mit geringer Korrelation zu anderen Märkten.

    Dieser Abschnitt versteht sich ausdrücklich nicht als Aufforderung oder Warnung. Er soll helfen, Immobilien klarer einzuordnen, Erwartungen zu justieren und Entscheidungen bewusster zu treffen. Wer weiß, worauf er sich einlässt, trifft selten schlechte Entscheidungen – auch in anspruchsvollen Marktphasen.

    Einordnung:

    Für Anleger, die höhere Liquidität und geringeren laufenden Aufwand suchen, lohnt sich der Blick auf Aktien – mit ihren Chancen, aber auch ihren unvermeidbaren Drawdowns.Welche Rolle Edelmetalle und strategische Rohstoffe als Gegenpol zu gebundener Substanz spielen können, zeigt der folgende Abschnitt.

     

    Artikel erschienen bei https://www.granvalora.de/immobilien-substanzwert/

Haftung für Inhalte und Links

Wir haben diese Website mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt und dabei insbesondere auf die Richtigkeit, Aktualität, Vollständigkeit und Verfügbarkeit geachtet. Dennoch können wir nicht ausschließen, dass alle Inhalte stets fehlerfrei, aktuell und vollständig sind. Insofern ist jegliche Haftung für Schäden, die direkt oder indirekt aus der Benutzung dieser Website und der hierin enthaltenen Informationen entstehen, ausgeschlossen, soweit diese nicht auf ein vorsätzliches oder grob fahrlässiges Verhalten beruht.

Die auf dieser Website vorhandenen Inhalte von Dritten oder Links zu Websites Dritter ("fremde Inhalte") haben wir nach bestem Wissen und unter Beachtung größtmöglicher Sorgfalt eingebunden. Insbesondere haben wir bei der erstmaligen Einbindung der fremden Inhalte und dem erstmaligen Setzen von Links darauf geachtet, dass keine rechtswidrigen Inhalte vorliegen. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass die Anbieter die Inhalte im Nachhinein verändert oder weitere Inhalte hinzugefügt haben. Es ist uns nicht möglich, sämtliche fremden Inhalte laufend zu prüfen, und wir können keine Verantwortung für diese fremden Inhalte übernehmen. Wir machen uns die fremden Inhalte ausdrücklich nicht zu eigen. Für Schäden aus der Nutzung oder Nichtnutzung der fremden Inhalte haftet ausschließlich der jeweilige Anbieter der Website, auf die verwiesen wurde, bzw. die Urheber der Inhalte.

Zurück

Weitere News

  • 24. Februar 2026

    Robert Halver mit Halvers-Woche - FollowMyMoney
    Wie dramatisch ist die neue US-Zolldiskussion wirklich?
  • 24. Februar 2026

    Martin Utschneider Daily DAX
    RoboMarkets – Technische Analyse DAX (24.02.2026): DAX “kämpft” weiter
  • 23. Februar 2026

    Professional Asset Manager CHRISTIAN SCHOEPPE
    Update Notenbankpolitik: Wer ist Kevin Warsh, Trumps Mann für die Fed-Spitze?
  • 23. Februar 2026

    Martin Utschneider Daily DAX
    RoboMarkets – Technische Analyse DAX (23.02.2026): ifo & 25.099 im Blick
  • 20. Februar 2026

    Martin Utschneider Daily DAX
    RoboMarkets – Technische Analyse DAX (20.02.2026): 25.099 bleiben umkämpft (!)

Disclaimer
Diese Inhalte dienen ausschließlich Informationszwecken. Es handelt sich nicht um Empfehlungen oder eine Aufforderung zum Kauf von Finanzprodukten. Diese Inhalte stellen ausschließlich die Meinung des Autors dar. Es handelt sich dabei nicht um eine Beratung irgendeiner Art (weder steuerrechtlich noch hinsichtlich der Allokation Ihrer Finanzen, der Tätigung eines Investments oder ähnlichem). Dieses Informationsangebot kann keine individuelle Beratung ersetzen und ist auch nicht als solche gedacht. Wir übernehmen keine Verantwortung und keine Haftung für Entscheidungen, Handlungen oder Unterlassungen, die der Nutzer aufgrund dieser Website und der darin enthaltenen Informationen trifft.

Investoren sind angehalten, vor einem Investment selbstständig zu recherchieren und sich fachkundigen Rat einzuholen.

Aus vergangenen Wertentwicklungen können keine verlässlichen Aussagen über zukünftige Wertentwicklung gemacht werden. Alle Daten und Informationen, die verwendet wurden, hat der Autor aus eigener, subjektiver Betrachtung als angemessen erachtet. Sie wurden jedoch keiner neutralen Prüfung unterzogen, und es wird keine Haftung und keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit übernommen. Die Anlage in Finanzinstrumente ist risikobelastet und kann zum Teil- oder Totalverlustes des eingesetzten Kapitals führen.

Bitte beachten Sie unsere Risikohinweise auf https://followmymoney.de/risikohinweise sowie Informationen zu Anlageempfehlungen unter https://followmymoney.de/informationen-zu-anlageempfehlungen/.